Rundgang
Für viele nur ein Stock mit einer Schnur …
Im Museum zeigt sich, wie viel Wissen, Geschick und Erfahrung in einer Peitsche stecken.
Wartesaal
Der Rundgang durch das Deutsche Peitschenmuseum beginnt im ehemaligen Wartesaal des Bahnhofs. Wo einst Reisende auf den nächsten Zug warteten, werden Besucherinnen und Besucher heute auf ihre Entdeckungsreise in die Welt der Peitschenmacher vorbereitet. Den Auftakt bildet eine Vitrine mit besonderen Exponaten: Neben verschiedenen Rohmaterialien wie Leder, Holz, Metall, Garn und Leim, aus denen früher Peitschen gefertigt wurden, sind hier auch seltene historische Dokumente zu entdecken. Dazu gehören unter anderem ein originaler Ausbildungsvertrag eines Peitschenmacherlehrlings sowie ein Personalausweis, in dem als Berufsbezeichnung tatsächlich „Peitschenmacher“ eingetragen ist – eindrucksvolle Zeugnisse eines Handwerks, das einst das Leben in Killer über Generationen prägte.
Der historische Raum dient heute zugleich als Bereich für wechselnde Sonderausstellungen. Ob Kunst, Kultur, Technik, Antiquitäten oder regionale Geschichte – die Themen wechseln regelmäßig und machen jeden Museumsbesuch besonders. So gibt es auch für Stammgäste immer wieder Neues zu entdecken.
Der Wartesaal verbindet auf besondere Weise die Geschichte des ehemaligen Bahnhofs mit der lebendigen Museumsarbeit von heute und bildet den idealen Auftakt für Ihren Rundgang durch das Deutsche Peitschenmuseum. Gleichzeitig schließt sich hier der Rundgang wieder: Als letzte Station lädt der kleine Museumsshop im Wartesaal zum Stöbern, Entdecken und Mitnehmen einer Erinnerung an Ihren Museumsbesuch ein.
Kontor
Das heutige Kontor war einst das Büro des Bahnhofsvorstehers. Ein originales Blechschild an der Tür erinnert noch heute an diese frühere Bezeichnung. Von hier aus wurden durch die kleine Schalteröffnung zum Wartesaal Fahrkarten verkauft, während auf der gegenüberliegenden Seite der Güterverkehr abgewickelt wurde.
Heute beherbergt das Kontor eine der vielfältigsten Sammlungen des Deutschen Peitschenmuseums. Neben zahlreichen historischen Peitschen erwarten Sie Bücher, Werkzeuge und Erinnerungsstücke rund um das Peitschenmacherhandwerk. Besonders eindrucksvoll ist die Sammlung „Peitschen aus aller Welt“, die im Laufe vieler Jahre durch Urlaubsmitbringsel, Schenkungen und Spenden entstanden ist und eindrucksvoll zeigt, wie unterschiedlich Peitschen in den verschiedensten Ländern gefertigt und verwendet wurden.
Zu den besonderen Exponaten zählen ein Branchenverzeichnis aus dem Jahr 1934 mit einer eigenen Rubrik „Peitschenfabrikation“, in der zahlreiche Betriebe aus Killer und der Umgebung verzeichnet sind, sowie eine Kopie der ersten urkundlichen Erwähnung der Killermer Peitschenmacher aus dem Jahr 1730 aus dem Staatsarchiv Sigmaringen. Ergänzt wird die Ausstellung durch das historische Ortswappen mit der Peitsche – bis heute ein sichtbares Zeichen für die jahrhundertealte Bedeutung des Peitschenmacherhandwerks in Killer.
Ein besonderer Blickfang ist die kleine Zirkusecke. Viele Kinder kennen Peitschen heute – wenn überhaupt – vor allem aus dem Zirkus, wo sie bei Pferde- oder Tierdressuren eingesetzt wurden. Zu den außergewöhnlichen Ausstellungsstücken zählt deshalb auch die originale Löwendompteurpeitsche des berühmten Zirkusdirektors Sarrasani. Sie bildet einen spannenden Kontrast zur eigentlichen Geschichte der Peitsche als unverzichtbares Arbeitsgerät des täglichen Lebens.
Werkstatt
Der Höhepunkt eines Museumsbesuchs ist zweifellos die vollständig eingerichtete Peitschenwerkstatt, die heute im ehemaligen Frachtraum des Bahnhofs untergebracht ist. Wo einst Waren verladen und für den Weitertransport vorbereitet wurden, befinden sich heute sämtliche Maschinen und Werkzeuge, die früher zur Herstellung einer hochwertigen Peitsche benötigt wurden – vom Schneidstuhl über Hobelmaschine, Dämpfe, Presse und Schleifmaschine bis hin zur Hartrohr- und Flechtmaschine.
Bei Führungen erwacht die Werkstatt zum Leben. Eindrucksvoll wird erklärt, welche verschiedenen Peitschentypen es gibt, wie sie hergestellt wurden und warum manche Peitschen mit großer Sorgfalt verziert waren. Besucher erfahren, woran man eine gute Peitsche erkennt und weshalb sie weit mehr ist als „nur ein Stock mit einer Schnur“.
Ein besonderer Höhepunkt ist die über 150 Jahre alte Flechtmaschine. Über eine historische Transmission mit Lederriemen angetrieben, beginnen 32 Spindeln ihren faszinierenden Tanz im und gegen den Uhrzeigersinn. Vor den Augen der Besucher wird die Peitsche dabei kunstvoll umflochten – ein beeindruckendes Zusammenspiel von Mechanik, Handwerk und jahrhundertealter Erfahrung.
Cafeteria
Viele Jahre gehörte die nachträglich an das ehemalige Bahnhofsgebäude angebaute Cafeteria zu einem beliebten Treffpunkt für Museumsbesucher. Rund 50 Sitzplätze boten eine gemütliche Atmosphäre, um den Museumsbesuch bei Kaffee und Kuchen, einem Getränk oder einer kleinen Mahlzeit ausklingen zu lassen. Besonders Busgruppen und Reisegesellschaften schätzten die Möglichkeit, Speisen und Getränke individuell auf ihren Besuch abzustimmen.
Nach dem Brandanschlag steht die Cafeteria derzeit leider nicht mehr zur Verfügung. Ihr Wiederaufbau ist ein wichtiges Ziel für die kommenden Jahre. Bis dahin laden wir unsere Besucherinnen und Besucher bei schönem Wetter gerne zu einer kleinen Bewirtung im Außenbereich ein. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieses Angebot derzeit wetterabhängig und aufgrund der fehlenden Cafeteria nur in eingeschränktem Umfang möglich ist.
